Chanel
1909 eröffnete Coco Chanel, eine gelernte Näherin, in Paris ein Hutatelier mit eleganten, schlichten Hüten für wohlhabende Damen. Da sich ihre modernen Hutkreationen in ihrem erweiterten Bekanntenkreis der Pariser High Society rasch größter Beliebtheit erfreuten, erwarb Mademoiselle Chanel 1910 ein Anwesen in der Pariser Rue Cambon 21, gegenüber der Rückseite des Hotel Ritz, in welchem sie ab Mitte der 1930er Jahre eine Suite beziehen sollte.
Es folgten 1913 eine Boutique namens Chanel Modes im mondänen Deauville und in den folgenden Jahren ein Couture-Haus im schicken Badeort Biarritz, wo Mademoiselle eine für die Zeit ungewöhnlich sportlich-lässige, dennoch elegante und hochpreisige Damenmode anbot. Das offizielle Gründungsdatum des Unternehmens Chanel wird je nach Quelle mit 1913/1914 angegeben. Gegen 1918 eröffnete die Boutique in der Rue Cambon 31, wo sich bis heute das Haupt-Atelier und eine Flagship-Boutique von Chanel befinden.
1925 kreierte sie erstmals ein Kostüm mit Cardigan-Jacke ohne Revers aus Tweed, welches eine Ikone der Chanel-Mode werden sollte und später bspw. als mit Bordüren abgesetztes Bouclé-Kostüm zahlreich variiert wurde. Ab 1926 erregte Coco Chanel mit ihrem Klassiker dem „kleinen Schwarzen“ (frz.: petite robe noire), einem knielangen schwarzen Abendkleid - in einer Zeit, in der kurze Rocklängen noch immer ungewohnt und die Kleider-Farbe schwarz zumeist den Dienstboten vorbehalten war - erneut große Aufmerksamkeit in der Modebranche und erschuf somit eines der bedeutendsten Kleidungsstücke des 20. Jahrhunderts. Bald wurde der Chanel-Stil von allen Seiten kopiert, was allerdings nur noch mehr zum Prestige des Hauses beitrug. Coco Chanel entwarf auch Schmuckkollektionen - sie gilt als Erfinderin des Modeschmucks - wobei sehr häufig lange Perlen-Ketten zum Einsatz kamen.
Die Parfümsparte von Chanel wurde 1924 als Parfums Chanel in Neuilly offiziell etabliert, nachdem bereits 1922 von Coco Chanel zusammen mit dem Chemiker Ernest Beaux aus Grasse das berühmte Parfüm Chanel Nº 5 sowie eine Reihe anderer, später eingestellter Parfüms (Nº 11, Nº 14, Nº 20, Nº 21, Nº 27, Nº 55) gemacht worden war.
1930 stattete Chanel die Leinwand-Stars von United Artists aus. 1935 zählte Chanel bereits 4.000 Angestellte und verkaufte 28.000 Kleidungsstücke, obwohl das Unternehmen die Weltwirtschaftskrise 1929 besonders auf dem amerikanischen Markt zu spüren bekommen hatte. Im September 1939, nachdem der Zweite Weltkrieg begonnen hatte, stellte Coco Chanel die Haute Couture Mode ein und verkaufte vorübergehend nur noch Parfüm und Accessories. Bis zu ihrem Tod im Alter von 88 Jahren war Coco Chanel für die Kreationen des Hauses verantwortlich.
Nach Coco Chanels Tod 1971 nahm Gaston Berthelot, ein Dior-Designer, wenig erfolgreich ihren Platz als Designer der Chanel-Mode ein. 1974 übernahm Pierres Sohn Alain, welcher mit seinem Bruder Gerard bis heute alleiniger Eigentümer von Chanel ist, die Leitung des Konzerns während sein Vater bis 1978 dem Aufsichtsrat angehörte. Die erste Prêt-à-porter-Modekollektion von Chanel, Chanel Boutique, wurde 1978 unter der Leitung von Philippe Guibourgé mit mäßigem Erfolg präsentiert. 1980 stellte Alain Wertheimer die Werbefachfrau Kitty D'Alessio ein, welche wiederum den damaligen Chloé-Designer Karl Lagerfeld mit Wertheimer bekannt machte. 1983 wurde Lagerfeld zunächst als Berater für die Haute Couture eingestellt und 1984 zum Chef-Designer der gesamten Mode-Sparte des Hauses ernannt. Lagerfeld verhalf durch moderne Interpretationen des Erbes von Coco Chanel der damals etwas angestaubten Modemarke wieder zu ihrem altem Glanz und trug durch den Ausbau der Kollektionen maßgeblich dazu bei, dass Chanel heute auch bei jungen Frauen zu den tonangebenden Top-Marken in der hochpreisigen Damenmode zählt.



