Haute Couture bis heute
Neue Arbeitsformen
Im Zuge der Industrialisierung und der Verbürgerlichung der Gesellschaft hatten sich die Arbeitsverhältnisse grundlegend geändert:
Die Produiktionsstättenwaren nicht mehr bei den Menschen im Haus. Die Männer gingen hinaus zur ihren Arbeitsstellen, um das Geld zu verdienen. Die Frauen blieben zu Hause sie mußten: die Kinder erziehen, den Haushalt führen. Die Frauen der Arbeiter kamen da wesentlich schlechter weg als bessergestellte Büregerfrauen. Sie mussten sehr oft noch zusätzlich schlecht bezahlte Heimarbeit machen.
Die Herstellung von Kleidung in Heimarbeit und Kleidungsfabriken:
Zu Hause gab es die typische Frauenarbeit: Kleidung nähen für sogenannte Zwischenmeister, die wiederum von den grösseren Unternehmen die Aufträge erhielten. Frauen konnten damals fast alle nähen. Die Konfektionskleidung wurde damals noch nicht vollständig maschinell hergstellt.
Mitte des 19. Jhd. kam von Singer die erste Nähmaschine auf den Markt. Viele Frauen schafften sich eine solche Nàhmaschine an, blieben dann aber lange verschuldet weil die Nähmaxschinen so teuer waren.
Die alternative zur Heimarbeit war die Arbeit in einer Textilfabrik. Die meisten Frauen, die in den Fabriken arbeiteten, waren jung und unverheiratet. Um die Jahrhundertwende kam die Arbeit als Verkäuferin von Damenbekleidung in den damals aufkommenden Warenhäusern hinzu. Die leitenden Positionen hatten damals nur Männer. Die Arbeitskraft der Frauen wurde damals im Modesektor sehr bedeutend. Man muss jedoch bedenken, dass damals die Arbeitszeit 12 Stunden täglich oder sogar mehr betrug. Kinder mußten sehr früh mitarbeiten. Man arbeitete an sechsTageen in der Woche. Die Arbeitsbedingungen in den Fabriken waren miserabel.
Für die wohlhabenden Bürgerinnen hatte die Trennung von Erwerbs- und häuslichem Leben andere Folgen: Sie wurden zu Statussymbolen ihrer Ehemänner. Diese demonstrierten dies vor allem dadurch, dass sie ihre Frauen prunkvoll einkleideten. Damit zeigten sie aller Welt, dass sie ihre Frauen nicht arbeiten liessen. Die Damenmode wurde somit im 19. Jahrhundert immer üppiger. Die Mänenrkleidung hingegen wurde immer schlichter. Der Mann war sowieso eine Autorität und brauchte niemandem etwas zu beweisen. Mode wurde also zur Frauendomäne.
Die Entstehung der Haute Couture
Die rasante technische Entwicklung dieser Zeit zog die Entstehung der Haute Couture nach sich. Das Bürgertum, das nun einen gewissen Wohlstand erreicht hatte, hatte keinen ausgeprägten Geschmack für schöne Kleider, wie früher die Aristokraten, die in dieser Hinsicht mehr Erfahrung hatten.
Die Bürger begannen sich bei Stilfragen an Modeexperten zu wenden. Der Beruf des Modeschöpfer entstand. Die Kleider wurden nun nicht mehr wie früher von Näherinnen am Hofe hergestellt. Ein Modeschöpfer entwarf die Kleider und stellte so Einzelstücke her, die dann eventuell, je nach Gefallen und Nachfrage auch in Produktion gingen. Es gab von nun an auch eine klare Trennung von Männer- und Damenmode.
Krinolinen
Um die Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Damenmode immer aufwendiger. Die Röcke wurden so weit, dass sich die Damen kaum mehr die Hand reichen konnten. Ein Rocksaum konnte 10 m messen. In Form gehalten wurden diese Röcke durch die Krinoline, eine Art steifem Unterrock auss Rosshaar- und Flachsgewebe. Diese Unterröcke waren eine Art Vorläufer des Petticoat. Mit diesen Reifröcken (später wurden die Krinolinen aus Stahlreifen hergstellt, damit sie leichter wurden!) hatten die Damen grosse Beinfreiheit. Während die Röcke immer weiter wurden, gerieten die Oberteile immer enger. Die Frauen "schnürten" sich regelrecht zusammen, um eine Wespentaille zu bekommen. Frauen wirkten in dieser Aufmachung wie Puppen. Auf dem Kopf sass ein kleiner Hut.
Im 20. Jahrhundert wurde Mode zu einem Massenphänomen. Dieses Jahrhundert hat die bedeutendsten modischen Revolutionen hervorgebracht: Hosen für Frauen, Verzicht aufs Korsett, den kurzen Rock, Sportmode. Erst in den 20er Jahren dieses Jahrhunderts beginnt die Frauenmode wirklich modern zu werden. Sie hat einige Prinzipien von der Herrenmode übernommen: Funktionalität, Schlichtheit, Verzicht auf oberflächliche Dekorationen.
Natürlich greift die Mode des 20. Jahrhunderts immer wieder auf die Mode vergangener Zeiten zurück. In den 1990er Jahren lebt die Mode vom spielerischen Umgang mit bereits Dagewesenem. Die grossen modischen Umwälzungen fanden aber zu Beginn des Jahrhunderts statt. In der Frauenmode wurden hautpsächlich diese Veränderungen sichtbar. Die Kleidung wurde funktionaler, da sich Frauen zusehends in der Öffentlichkeit bewegten, Sport trieben und später auch Berufe ausübten. Die Einstellung von Schönheit änderte sich: Man fand schlichtere Linien schön. Die Mode wurde körpernäher. Das lästige, ungesunde Korsett verschwand allmählich von der Bildfläche. Dafür wurden die Kleider körpergerechter und natürlicher, als in den Zeiten vorher.
Paul Poiret
Paul Poiret (1879 - 1944) war der bedeutendse Modeschöpfer vor dem Ersten Weltkrieg. Er baute ein ganzes Modeimperium auf. Er entwarf nicht nur Kleider sondern gründete ein Parfümfabrik, womit er die heutige Praxis aller grossen Modehäuser einleitete. Dazu errichtete er eine Werkstatt, wo Stoffe, Möbel und andere Dekorationsgegenstände passend zum Stil seiner Mode entworfen und produziert wurden. Er veranstaltete Modeshows und grosse Feste, wo er sozusagen "ganz Paris" einlud. Er selbst sagte: Als Modeschöpfer schaffe man niemals aus dem Nichts neue Ideen, die man dann den Menschen aufzwinge. Nur wenn man ahne, was die Faruen wollten, könne man erfolgreich sein.
Die Mode wurde also im Allgemeinen schlichter. Das soll aber nicht das Ende des Prunkvollen sein. Eine Dame trug nicht den ganzen Tag dieselbe Kleidung. Sie besass für jede tageszeit und jeden Anlass die passende Ausstattung. Sogenannte Hausklieder waren in der Regel üppiger und weicher als die Strassenkleidung. Damit man die Damenmode von der sehr strengen Herrenmode unterscheiden konnte, wurden bei jener feminine Accessoirs angebracht. Unter dem strengen Jackett trug die Dame zum Beispiel eine Spitzenbluse.
In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg wurden die Röcke schmaler und kürzer. Sie zeigten nun nicht nur den Fuss, sondern den Knöchel oder sogar manchmal die Wade. Während des Krieges orientierten sich die Schnitte der Damenkostüme den Uniformen der Männer.
The Roaring Twenties: Die neue FrauViele Frauen waren während des Ersten Weltkrieges zur Selbständigkeit gezwungen und waren nicht bereit, diese nach Kreigsende aufzugeben. Sie waren vermehrt in der Öffentlichkeit sichtbar auch ohne männliche Begleitung. Viel mehr Frauen waren berufstätig. Zu den typischen Berufen wie Kindermädchen, Haushälterin oder Näherin kam die Büroarbeit hinzu. Frauen trieben Sport, sie fuhren Auto. Die Mode der Frauen ähnlelte der der Vorkriegszeit. Grosse Stoffmassen und und viele Verzierungen galten als veraltet. Sie Mode war einfach und schlicht. Frauen wollten sich ungehindert bewegen können. Also wurden die Röcke kürzer. Sie waren nur noch kniebedeckend. Die bodenlangen Kleider hatten endgültig ausgedient. Die Kleider waren gerade geschnitten und ignorierten Hüfte, Taille und Busen. In den 20er Jahren trug die Frau zwar kein Korsett mehr aber dafür andere Miederwaren aus aus modernen Materialien. Damals war ein flacher Busen angesagt. Die Haare wurden kurz geschnitten: Bubikopf! Die Kleider waren streng und sahen gegenüber der früheren Mode eher männlich aus. Androgynie war das Zauberwort. Die Frau rauchte auch auf der Strasse und trug ein Selbstbewusstsein zur Schau, das vielen fast zu "männlich" war.
Elegante Weiblichkeit:Die kastenförmigen Kleider veschwanden wieder. Sportlichkeit und knabenhaftigkeit verschwanden zusehends aus der Damenmode. Die Mode wurde eleganter und weicher. Die Kleider waren körperbetont und flossen am Körper entlang. Oft wurden sie unten weiter. Der Godet-Rock ist eine typische Rockform der 30er Jahre. Die Säume fielen zuerst bis unters Knie dann bis zur Wadenmitte. Die Taille rutsche nach oben und wurde durch schmale Gürtel betont. Durch die schmalen Röcke und die hohe Taille schien es, als hätten die Damen sehr lange Beine. Die Haare wurden wieder länger. Im Gesicht wurden nur dezente Farben als Make-up verwendet. Marlene Dietrich gehört mit ihrem schmalen Gesicht und den schmal gezupften Augenbrauen zu den Frauen, die die 30er Jahre verkörpern. Greta Garbo zählt mit ihrem femini-androgynen Körper zu den herausragenden Frauengestalten dieser Zeit.
KleiderformenDie beliebteste Kleiderform der 30er Jahre war das Prinzesskleid. Dieses lange schmale Kleid betonte die Silhouette der Frau. Die praktische Kombination von Rock und Bluse setzte sich imemr mehr durch. Neu waren auch die Boleros, kurze vorne rundgeschnittene Jäckchen. Das Kostüm kam auch immer mehr auf: Ein schmaler, wadenlanger Rock mit einer taillierten Jacke. Das Kostüm wurde zur eleganten Tageskleidung. Gegen Ende der 30er Jahre stiegen die Rocksäume wieder. Sie bedeckten gerade noch die Knie. Die Röcke wurden schmaler. Die Schultern wurden durch Polster stark betont. Da bisher nur Männervestons an den Schultern gepolstert waren, empfand man diese neue Linie wieder mal als männlich.
Kriegsjahre
Während der Kriegsjahre wurde das Material überall sehr knapp. Die Modeschöpfer mussten sich etwas einfallen lassen, um mit wenig Stoff trotzdem elegante Kleider herzustellen. Überall in Europa lernten die Frauen zu improvisieren. Auf jedenfall wollte man auf irgend eine Art weiblich sein, auch wenn die Mittel die Möglichkeiten drastisch einschränkten. Auch Schuhe mussten oft selbst gemacht werden. Die Kleider waren schmal geschnitten und hatten dementsprechend nur noch wenig Falten. Die Kostüme bewährten sich als praktische Kleidung für alle Anlässe. Oft ähnelten sie Militäruniformen. Später wurde Frauenkleidung oft aus abgelegter Männerkleidung gemacht. Die Frage war: Wie konnte man sich trotz beschränkter Mittel schick kleiden? Wie kann man die Stücke abändern? Nähkenntnisse waren für die meisten Frauen unerlässlich.
Aber neben alldem gab es weiterhin die Haute Couture. Paris blieb weiterhin die Stadt der Mode, obschon das dritte Reich die Pariser Mode durch deutsche Mode ersetzen wollte.
Der New Look und die 50er
1947 zeigte der bisher unbekannte Modeschöpfer Christian Dior seine erste Kollektion, die sogleich enthusiastisch gefeiert wurde.
Der New Look brachte wieder Glanz und Glamour in die Welt der Mode. Die Leute der 40er und 50er Jahre wollten die Erinnerungen an die Kriegsjahre vergessen. Vile Frauen wollten sich wieder in einer traditionellen weiblichen Art kleiden können.
In Europa und den USA entstand in den 50er Jahren ein Wohlstand, den es nie zuvor gegeben hatte. Bürgerliche Männer liessen diesen Wohlstand mit der Kleidung der Frau zur Schau stellen. Zugleich bildeten sich wieder konservative gesellschaftliche Werte. Die Frauen hatten im Krieg "ihren Man" gestanden. Nun wurden ihnen wieder häusliche Werte zugeschrieben. Die Nachkriegsmode nimmt viele Elemente von der Mode des 19. Jahrhunderts auf:
- enggeschnürte Taillen
- lange, weite Röcke über einer Vielzahl von Unterröcken
- schmale Schultern.
In den 50er Jahren übernahmen viele männliche Modemacher die Haute Couture während es in den 20er und 30er Jahren eher Frauen waren. Namen wie Christian Dior oder Yves Saint Lorent sind noch heute weltberühmt. Nicht alle konnten sich die teuren Modelle dieser Designer leisten. Aber die Konfektionsmode übernahm gewisse Trends. Denoch war die neue Mode teuer und sie veränderte die Silhouette der Frau. Röcke waren wadenlang, extrem weit oder sehr eng. Die Oberteile lagen eng auf. Die Taille wurde stark markiert. Busen, Po und Hüften wurden hervorgehoben. Die Haare wurden kürzer und waren leicht gewellt. Die improvisierte Weiblichkeit der Kriegsjahre wich einer Eleganz. Von Kopf bis Fuss musste alles abgestimmt sein. Die Schuhe wurden schmaler und hatten hohe Absätze.
Kostüme waren aus dem Kleiderschrank der Dame nicht mehr wegzudenken. Die Kostümröcke waren meit eng. Die Kombination von Rock und Oberteil hat sich sehr bewährt. Am Abend zeigte sich die Dame in grosser Robe. Späte in den 50er Jahren kamen die Petticoats auf, welche die Röcke der Mädchen fast waagrecht abstehen liessen.
Nach dem Krieg ändete sich in der Herrenmode wenig. Der Stoff war noch rationiert. Man trug alte Uniformen oder behalf sich mit dem, was man eben noch so hatte. Man verzichtete vorerst mal auf formelle Kleiderordnungen. Die kombination Oberteil und Hose war zweckmässig. Die Farben waren sehr dezent, meistens war das hemd weiss und die Krawatte schmal. Die vestons waren zunächst sackförmig, später in den 40ern setzte sich die V-Linie durch (kam aus Amerika): Breite Schultern, schmale Hüften. Im grossen und ganzen blieb die Herrenmode eher konventionell. Das Nylon- oder Perlonhemd war der letzte Schrei. Der gutgekleidete Mann trug einen Hut zum Anzug.
JeansDie Jeans (Blue Jeans) begannen in den 50er Jahren ihren Siegeszug um die Welt. Die einstige Arbeitshose war in den USA bereits in den 30er Jahren zur Freizeithose geworden. In Europa wurde sie vorerst nur von rebellischen jungen Leuten getragen, erst in den 60er Jahren wurde sie zur Allroundhose. Sie bot eine Ausdrucksform für den Protest gegen das etablierte Bürgertum.
Modische JugendrevoltenDie 50er Jahre waren eignetlich eine Zeit der Eleganz bzw. Damenhaftigkeit. Viele jungen Damen fanden diese Mode deshalb zu spiessig. Mary Quant meinte, dass die Frauen in dieser Mode wie die eigenen Grossmütter aussähen. Sie wollte, dass alle Menschen ihre kindliche Anmut behielten. Sie entwarf deshalb Ende der 50er ihre eigene Mode: - kurze Hängerkleidchen - Trägerröcke - enge Pullover und
DER MINI - ROCK
Die neue Länge, die mindestens 10 cm oberhalb des Knies endete, setzte sich durch. Teenagers, Hausfrauen Leute aus der High-Society trugen ihn. Sogar das englische Königshaus tolerierte Röcke, die 7 cm oberhalb der Knie endeten. Der Vatikan jedoch stellte strenge Wächter vor den Petersdom, die jede Frau in diesem "unzüchtigen" Kleidungsstück abwiesen.
Die neue Mode konnte sich nur deshalb durchsetzten, weil Jugend in der westlichen Welt zum gesellschaftlichen Leitbild und damit auch zum modischen Leitbild wurde. Man wollte nicht nur noch arbeiten, sondern das Leben geniessen. So wurde dieMode zum Jugend- und Massenphänomen. Das kurze Hängerkleid wurde zum Kleidungsstück dieser Zeit: Es war gerade geschnitten, bunt, meist aus Synthetikstoffen und zeigte viel Bein. Die Frauen liess es wie Mädchen aussehen. Ursprünglich waren diese Kleider eher für juge Leute gedacht. Mit der Zeit trugen aber alle die neue Form, denn es gab fast keine modischen Alternativen.
Erstmals wurden Models so berühmt wie Filmstars. Twiggy war eins der bekanntesten Models. Sie prägte das Jahrzehnt mit ihrer mageren Figur und mit ihren Riesenaugen in ihrem schmalen, blassen Gesicht. Emma Peel, aus der Fernsehserie "Mit Schirm, Scharm und Melone" half mit ihrer schwarzen Lederkleidung den Fetischismus in der Mode gesellschaftsfähig zu machen.
1959 kam in den USA die erste Barbiepuppe auf den Markt. Wenig später wurde sie auch in Europa verkauft. Sie war die erste "erwachsene" Puppe, die aber für Kinder gedacht war. Barbie lehrte die Kleinkinder in den 60er Jahren, wie man sich kleidet. Es wurden Modelle aus der Haute Couture übernommen. Jedes Detail von der Unterwäsche bis zum Mantel stimmte, und so lernten die Mädchen, wie sehr das weibliche Wesen in unserer Kultur mit der Mode lebt.
Eigentlich entstand Mode bis jetzt von den privilegierten Schichten und wurde dann von den anderen übernommen. Aber ab und an war dies auch umgekehrt. Die "zerhauene" Kleidung der Landsknechte wurde sehr schnell zur Mode für die feineren Leute. Das modische Zentrum in den 60er Jahren war nicht etwa ein privilegiertes Modehaus in Paris sondern die Londoner Carnaby Street. , hier wurde gesagt, was "in" ist oder umgekehrt. Hier wurden Trends gemacht: Dazu gehörten knallbunte Hemden und Kleider, ganz kurze, romantische Blumenröcke, bunte Strumpfhosen, Sonnenbrillen und spitze Schuhe, gehäkelte Tops und transparente Blusen, überlange Stiefel, Jeans und überdimensionale Umhängetaschen, Hosenanzüge in allen Formen und Farben. Second Hand wurde damals modern.
Es wurde immer schneller und mehr produziert, jedermann wollte sich modisch kleiden. Rinfach und praktisch sollte Mode sein. Die neuen Fertigungstechniken ermöglichten einen schnellen Wandel in der Mode. Die Versand- und Warenhäuser erlebten ihre grosse Zeit. Gleichzeitig entstand in dieser Zeit der Boutiquen-Boom.
Viele de grossen Modehäuser, die bisher die teuren, handgefertigten Modelle der Haute Couture angeboten haben, erkannten die Zeichen der Zeit und liessen gewisse Kleider nun auch massenweise in Fabriken herstellen, damit das Volk diese Modelle auch kaufen konnte. Somit machten diese Modehäuser das grosse Geld mit dieser Prêt-à-porter Mode (industriell gefertigte Mode).
Hippies und Gammler
Die 70er Jahre haben keine eigenstädige Silhouette hervorgebracht. Die Mode der 70er zeigt deutlich den Einfluss der Freizeitmoden. Jeans wurden zum Favoriten in allen sozialen Schichten und zu allen Gelegenheiten. Kleiderordnungen verschwanden fast vollständig. Die emanzipierte Frau trage keinen Minirock mit Stöckelschuhen, sondern bequeme, flache Schuhe, Latzhosen oder Jeans, die die sexistischen Blicke der Männer von den erotischen Signalen ablenkten und dafür sorgten, dass Frauen als menschen und nicht als Sexualobjekte whrgenommen würden, sagte man. Die Mode wurde also insgesamt unerotischer. Die nüchterne Schlichtheit der Alltagsmode blieb am Abend fast die Gleiche.
Bei den Männern wuchsen die Haare über den Kragen und die Koteletten wurden immer länger. In dieser Zeit kamen auch die sogenannten "Coordinates" auf: Eine Garderobe au zusammenpassenden Teilen.
Authentizität war das Schlüsselwort dieser Zeit: Man wollte echt sein, authentisch, man selbst.
Mitte des Jahrzehnts kam ein sigenannter Indien-Look auf: Weite Flatterhemden, lange Schals, weite Kleider und grosse Tücher. Weiter sprach man vom Oma-Look Rüschenblusen, Röcke mit Volants
Patchwork wurde plötzlich so modern, dass man das Muster auf Stoffe aufduckte, statt alte Stoffresten zusammenzuflicken. Dazu passte Gehäkeltes: Westen, Pullover, Mützen, Schals, Kleider, Umhängetaschen - alles wurde gehäkelt.
1970 bedeckten die Röcke kaum noch den Po. Da erschienen die Midiröcke, die bis zur Wade reichten. Das "heisseste" Kleidungsstück für junge Frauen waren anfangs der 70er knallenge, extrem kurze Höschen, die Hot Pants! Die maxiröcke blieben vorläufig nur ein Modegag für die ganz Jungen.
Mit der Zeit pendelten sich die Kleiderlängen auf knieumspielend ein. Die Plateausohlen, die in der ersten Hälte der 70er modern waren, kamen wieder aus der Mode. Hosenanzüge setzten sich in diesem Jahrzehnt für alle Anlässe endgültig durch. Hosenbeine waren anfangs unten ganz weit, später kam dann die sogenannte "Rüeblihose", oben weit und unten eng.
In den 80er Jahren ist die Mode nicht mehr Ausdruck der Persönlichkeit, sondern sie zeigt, was man aus sich gemacht hat. Der Kult des Erfolges verdrängt die Natürlichkeits-Ideologie. Beruflicher Erfolg, persönlicher Ehrgeiz wurden zu einem wichtigen Faktor. Die gesellschaftspolitischen Kämpfe der 70er Jahre waren vorüber. Die Friedensbewegungen waren eine starke Kraft. Frauenbewegungen schienen überflüssig zu werden: Frauen waren nun in aller Selbstvertändlichkeit starke Frauen - das sit ein Schlüsselwort dieses Jahrzehnts. Dagegen bildeten sich erste Mänenrgruppen, die ihre Selbstfindung in Angrff nahmen.
Der Erfolg musste sichtbar sein: De 80er Jahre sind geprägt durch einen Körperkult. Bodybuilding und Aerobic standen im Vordergrund. Als schöner Körper galt nun ein kraftvoller, durchtrainierter Körper. Sogar für Frauen wurde Bodybuilding gesellschaftsfähig. So konnten sie ihren Körper nach ihrem Wunsch formen. Die Frau wollte von nun an nicht mehr zart und mager sein, sondern kräftig und gesund.
Aerobic war die Modesportart der 80er Jahre, die auch eine eigene Mode hervorbrachte: Man brauchte bunte, enge Oberteile, Leggins und spezielle Schuhe. Die Mode fand auch den Weg in den Alltag. Jeans und Turnschuhe waren überall und immer gesellschaftsfähig.
Zur Ikone des Jahrzehnts wurde Popstar Madonna. Sie verhalf u.a. auch der Fetischmode zum Erfolg und belebte natürlich den Glamour von Hollywood. Sie war das perfekte Produkt einer ausgeklügelten Marketingstrategie.
Die Medien als Modevorbilder
Das Fernsehen und seine Medienstars beeinflussten die Mode in den 80er Jahren stark. Serien wie "Dallas", "Denver" oder "Miami Vice" waren sehr stilprägend, noch mehr als die grossen Kinohits. Die Frauen in diesen Serien hatten immer eine tadellose Figur, waren schick gekleidet und hatten eine perfekte Frisur. Modisc interessierte Männer erhielten Impulse von den immer lässig-schönnen Verbrecherjägern aus "Miami Vice": Leinenjackett mit weissen Hosen und T-Shirt; oder der weiche dunkle Anzug. Die Männermode hatte von da weg wieder einen Aufschwung zu verzeichnen, während sie vorher eher von der Bilfläche verschwunden war.
Prinzessin Diana wurde zu einer modisch experimentierfreudigen Glamourschönheit und von vielen Frauen imitiert.
Nach der weichen Konturlosigkeit der 70er Jahre kamen nun die strengen, klar umrissenen Slhouetten wieder: breite, kantige Schultern, schmale Hüften, lange Beine, Sportmode einerseits, Business-Mode andererseits. Viele Frauen waren überzeugt, dass ihre Eingliederung in die männlich dominierte Arbeitswelt erleichtert würde, wenn sie sich modisch den Mänenrn anpassten. Abends konnten sie sich aber in sexy Roben zeigen lassen. Kostüme wurden modern: Sie spielten deutlich auf Männeranzüge hin, aber hatten ein paar weibliche Elemente drin: Lange, weite Jacketts mit überbreit gepolsterten Schultern, dazu kurze, enge Röcke oder wadenlange Faltenröcke und schlichte, elegante Pumps. Statt des Rocks konnte die Frau auch eine Bundfaltenhose tragen. Die Stoffe waren weich und edel, die Farben kräftig.
Pullover in Überweite kamen in Mode blieben es bis heute. Pelze werden anrüchig. Tierschützer wehrten sich gegen die Ausrottung bedrohter Tierarten.
In den 80er Jahren wurde Mode endgültig international.Die französische Haute Couture hatte ihre Bedeutung für die Entwicklung von Silhouetten verloren. Der Umsatz konnte nur noch mit der Prêt-à-porter Mode gemacht werden. Das brauchte aber viel Werbung, die wiederum mit der Haute Couture an den gigantischen Modeshows gemacht wurde. Grosse Modeschöpfer wie Jean-Paul Gaultier, Karl Lagerfeld, Vivienne Westwood oder Armani zeigen hier ihre grossen Kreationen, die jedoch selten Mode machen. Sie dienen lediglich dazu, das "Label" weltbekannt zu machen. Die Stilbildende Rolle wurde vom Prê-à-porter übernommen. Damit stieg auch die Bedeutung der amerikanischen, italienischen, japanischen und deutschen Mode: Calvin Klein, Donna Karan, Giorgio Armani, Gianni Versace, Jil Sander oder Joop.
Das gegenstück zu den klassischen Linien der Prê-à-porter-Häuser bildeten experimentierfreudige Designer wie Vivienne Westwood, Jean-Paul Gaultier, Gianni Versace oder auch die Japaner. Sie alle stehen für eine Tendenz in der Mode, die man als "postmodern" bezeichnen kann.
Von einem Trend kann man in diesen Jahren überhaupt nicht sprechen. Die Trägerin muss zunehmend selbst entscheiden, was zu ihr passt, was ihr gefällt, was in oder out ist.
Spiel mit den Geschlechtern
Das Spiel mit den Geschlechtern spielt Jean-Paul Gaultier brillant. Er bringt traditionell weibliche Elemnte - Röcke, Rüschen, Transparentstoffe - in die Männermode und bietet den Damen weite Männeranzüge und überdimensionale Hosenträger an, vorzugsweise über Miedern getragen.
Heute kommt alles wieder und alles immer neu. Der Kreativität sind keine Grenzen mehr gesetzt. Alle können tragen was und wie sie wollen, dass macht die Modewelt natürlich ausserordentlich kreativ und Trends kommen und gehen schnell.



