Vom Mittelalter zu Biedermeier
Das europäische Mittelalter weist keine besondere Vielfalt von Kleiderformen auf. Die Franken hatten den bedeutendsten kulturellen Einfluss in Mittel- und Westeuropa. Ihre Tracht: Kittelrock und Hose, im Winter ein Pelzrock, dazu Beinbinden. Frauen trugen allgemein knöchellange gegürtete Hemdgewänder. Bis ins 6. Jahrhundert trugen beide Geschlechter lange Haare, danach nur noch die Frauen. der Schnitt der Kleidung war für alle Schichten gleich. Der Unterschied lag in den Materialien. Wohlhabende: Feine Wolle und Seide. Ärmere: Grobe Woll- und Leinengewebe. Nach und nach veränderte sich die Kleidung der Oberschichten in Europa. Btreffend Schnitt unterschieden sich aber die Gewänder beider Geschlechter wenig. Gleichförmigkeit wurde angestrebt. Man trug bodenlange, faltenreiche Gewänder. Die einfachen Leute jedoch blieben bei den kurzen Kittelhemden, Hosen und Wickelstrümpfen.
Im 12. Jahrhundert begannen Damen Kleider zu tragen, deren Oberteil eng anlag und bis zur Hüfte reichte, wo es in einen fliessenden rock überging. Die Ärmel waren oben eng und wurden unten weiter. Die Verfeinerung der Schnitte im 12. Jhd. steht im Zusammenhang der Entwicklung des Schneiderhandwerks. . Bisher hatten Frauen aller sozialen Schichten die Kleider für die Familie angefertigt. Nun bildetet sich das Schneiderhandwerk aus. Bereits im 13. Jahrhundert gab es verschiedene Arten von Schneidern: Mantel-, Gewand- und Flickschneider. Wenig später gab es sogar Damen- und Herrenschneider. Die Berufsbezeichnung "Schneider" vom vom Wort Zuschneiden nicht von Nähen. In späteren Jahrhunderten blieb der Begriff auf die Herrenschneider beschränkt. Schon im Mittelalter liessen reiche Damen ihre Gewänder bei diesen anfertigen.
Im 13. Jhd. war das Rittertum in Europa tonangebend. Die Kleidung beider Geschlechter näherten sich einander erneut. Die Gewänder wurden schlichter, bodenlang und faltenreich. Die Stoffe waren für beide Geschlechter dieselben: Leinen, Baumwolle, Seide (Seidenraupe wurde im frühen Mittelalter eingeführt, daher konnte man die Seide selber herstellen). Alles war sehr bunt. Die Männer trugen unter ihrem knie- bis knöchellangen, tunikaähnlichen Rock den Bruch, eine Art Hose, an die die Beinlinge angenestelt wurden. Die Ritterrüstung bestand aus einem Kettenhemd, das fast knielang war. Darüber trug man eine Tunika, darunter ein weites Hemd.
Damen trugen mehrere Kleider übereinander. Schleppen wurden oft angeknöpft.. Man schätzte üppigen Schmuck und Gürtel aus reichem Material.
Erst im späten Mittelalter, im 14. Jhd., ensteht etwas, was wir als Mode bezeichnen können. Neue Kleiderformen für beide Geschlechter entwickelten sich, deren Unterschied von nun an aus der Mode kaum mehr wegzudenken ist.
Der Übergang vom Spätmittelalter zur Renaissance vollzog sich langsam und in den verschiedenen Ländern Europas zu unterschiedlichen Zeiten. Es gab zwischen dem 13. und dem 16. Jhd. entscheidende soziale Umwälzungen. Wirtschaftlicher Aufschwung durch die Kreuzzüge; Mittelmeerhandel, entstehende Geldwirtschaft schufen Grundlagen unserer modernen Wirtschaft. Es bildete sich ein städtisches Bürgertum. Die Erfindung des Buchdrucks ermöglichte die Verbreitung geschriebener Texte über die Grenzen der Klöster hinaus.
Italien war der Ausgangspunkt für einen neuen Zeitgeist. Aehnlich wie im antiken Griechenland bildete sich ein Idealbild des Mannes, dessen Kenntnisse und Interesssen von der Wissenschaft und der Philosophie über die Kunst bis zu Handwerk und strategischer Kriegskunst reichen sollten. Der Renaissancemann wurde nicht mehr als als der göttlichen und adeligen Unberechenbarkeit untertan betrachtet sondern als selbstbewusstes Individuum. Die erkenntnis, dass die Sonne und nicht die Erde das Zentrum unserers Kosmos ist, veränderte das Weltbild gegen den Widerstand der Kirche drastisch. Kunst und Kultur konzentrierten sich nicht nur ausschliesslich auf die Religion. Expeditionen zu bisher unbekannten Kontinenten erweiterte den geistigen Horizont. Dadurch wurde die Stellung des Bürgertums gegenüber des Adels weiter gestärkt. Mit dem wachsenden Wohlstand und Einfluss der Mittelklasse veränderte sich das Aussehen des Mannes. Die Kleidung wurde einfacher, höfische Spielereien wurden weggelassen. Die Kleidung wirkt mässig, behäbig. Der geschneiderte Azug ersetzt endgültig das draperte Gewand der Antike. Das wichtigste Kleidunsstück war die Zamarra (auch Jerkin oder Schaube). Von einer geraden Passe fiel der Stoff in reichen Falten bis auf Schenkellänge. Breite Schultern und extrem weite Ärmel betonten den Oberkörper.
Frauen galten im Mittelalter als minderwertige Varianten des Menschlichen, das mit dem Männlichen gleichgesetzt wurde. Da Frauen dadurch mehr gefährdet waren, musste man sie bewachen, sie mussten in ein "Ersatzgehäuse" eingeschlossen werden und durften niemals ohne Begleitung aus dem Hause gehen. Weibliche Unterkörper waren deshalb vollkommen verhüllt, meist in mehreren Stoffen übereinander gehüllt. Die Männer dagegen zeigten seit dem 14. Jhd. zunehmend Bein durch anschmiegsame Beinkleider. Frauen hatten dagegen modisch gesehen überhaupt keine Beine. Die Röcke der Frauen sind üppig weit um die Trägerinnen, faltenreich und zum Teil aus schweren Stoffen wie Brokat, Samt oder feinen Tuchen und auf alle Fälle bodenlang.
Blonde Haare waren damals sehr modern. Wer nicht naturblond war, färbte seine Haare. Die guten und schönen Frauen waren hellhäutig und blond, dunkle Haare liessen auf ein böses Wesen schliessen. Die Kopfbedeckungen wurden zu dieser Zeit immer auffallender und phantasievoller: Der Hennin kam auf, ein kegelförmiger Hut an dessen Spitze ein Schleier hing. Das ganze Mittelalter hindurch mussten verheiratete Frauen, Witwen und ältere Frauen Hauben oder Schleier tragen. Die Proportionen des modisch gekleideten weiblichen Körpers sind im Spätmittelalter sehr kontrastreich: Die kurzen Oberkörper mit den schmalen Schultern und den nur angedeuteten Brüsten wirken sehr zierlich im Vergleich zu den grossen Kopfbedeckungen und dem durch die weiten Röcke fast sockelartig wirkenden Unterleib. Die Frau sieht fast so aus, als wäre sie schwanger. Die dunkle Männerkleidung war ein Kennzeichen der wohlhabenden Bürger des europäischen Nordens und setzte sich in den nächsten Jahrhunderten immer mehr durch. Grundsätzlich war aber die Männermode, vor allem die aristoktratische, im Spätmittelalter und in der Renaissance ebenso farbenprächtrig und aufwendig wie die der Damen. Im 13. Jhd. trugen die Männer noch eine Art tunikaähnliche Röcke, die praktisch gleich aussahen, wie die der Frauen. Im 14. Jhd. änderte sich dies grundlegend: Die Tunika verschwand und machte der klar betonten Zweiteilung von Beinkleid und Oberteil Platz.
Miniröcke für Männer
Die Veränderung der Männerbekleidung ist auf Grund des technischen Fortschritts der Ritterausrüstung zu führen. Anstelle der knielangen Kettenhemden gab es nun eine zweiteilige Panzerung, die sich sehr eng an den Körper anschmiegte. Diese Panzerung bestand aus einem Oberteil und dem Teil der Beinpanzerung. Diese Rüstung forderte andere Unterkleider als die bisherige Tunika. Die Männerkleidung wurde immer enger und körperbetonter. Die Röcke der Männer waren reich gefältelt und wurden im Lauf des 15. Jhd's immer kürzer. Zum kurzen Rock trugen Männer enge Beinkleider möglichst in zwei verschiedenen Farben. Dazu trug der Mann die immer länger und spitzer werdenden Schuhe.
Ein Mann der gehobenen Klasse trug über seinem Beinkleid (Strümpfe oder auch Hose) einen knielangen oder bodenlangen pelzgefütterten Mantel, die Houppelande, der sowohl als Rock wie auch als Mantel diente.
Mode als MännersacheDie aufregendsten Kleider trugen zu dieser Zeit die Männer nicht etwa die Frauen, welche eher schlicht aber trotzdem elegant daherkamen. Die modischen Experimente blieben den Herren überlassen. Sie trugen eneg Beinkleider, manchmal sogar zweifarbig (mi-parti ) darüber einen kurzen gefälteten Rock. Dazu kam der Hut oder eine turbanähnliche Wulst um den Kopf. Die Soffe waren reich und vielfältig: Samt und Brokat, mit Pelz oder Seide gefüttert. Über dem Rock trug der Herr einen togaähnlichen Umhang ohne Taillenbetonung.
Im 16. Jhd. wurden geschlitze Kleidungsstücke für Männer der letzte Modeschrei. Diese Mode ging von den Landsknechten aus, deren Mode sehr bunt und phantasievoll war. Landsknechte waren Söldner, deren Leben so hart war, dass sie sich dafür so aufputzten, wie es ihnen gefiel. Die Obrigkeit versuchte vergebens durch Kleiderordnungen diese "Auswüchse" zu unterbinden. Diese Mode verbreitete sich nicht wie bisher von oben nach unten, sondern "von der Strasse" nach oben. Mitte des 16. Jhd. kam die Pluderhose auf. Diese hatte vertikale Streifen, die mit einem Kontraststoff unterlegt war. Die Schlitze in der Kleidung wurden in der Regel nicht versäubert, so dass sie ausfransen konnte.
Die entscheidensten modischen Veränderunegn im 16. Jhd gingen von der Mänenrkleidung aus. Das Beinkleid entwickelte sich zum Strumpf und zur Kniehose, welche welche am Wams festgenestelt wurde. Nesteln waren Schnüre oder Bänder, die dazu dienten, verschiedene Kleidungsstücke zusammenzuhalten. Bei vielen Männerkleidern auf alten Bildern sieht man solche Schnüre unten heruashängen: Die Nesteln wurden damals zum Schnuckstück., wie später dann die Knöpfe. Die Schamkapsel wird immer auffälliger.
Das Dekolleté verschwand wieder aus der Männerkleidung, man trug nun ein sichtbares Hemd. Dieses war reich gefältet und endete am Hals in einem gekrausten Stehkragen. Später entwickelte sich dieses sogenannte Kröse zum Mühlsteinkragen. Das wichtigste Kleidungsstück war die Schaube für die Männer. Diese hatte lange weite Aermel und sie war vorne offen, wie die heutigen Mäntel. Die Haare trugen die Männer wieder kürzer, dazu kamen die Bärte wieder auf. Die spitzen Halbschuhe machten einem Ochsenmaulschuh Platz. Dieser war vorne extrem breit und abgerundet.
Frauenmode im 16. Jhd.
Die Frauen liebten edle prachtvolle Stoffe. Die Röcke wurden kürzer und lagen nicht mehr auf dem Boden. Die Taille war wieder in der Körpermitte, so wies unser Auge eigentlich gewohnt ist. Das Dekolleté war gross und eckig. Auch Frauen trugen den Ochsenmaulschuh und einen Stehkragen wie die Männer. Die Schuhmode setzte sich zwar nur in Deutschland durch, anderswo in Europa waren die Schuhe spitz. Später setzte sich aber diese spitze Schuhmode in ganz Europa durch.
Der Kragen wurde immer grösser, dadurch erschien der Kopf immer kleiner. Natürlich wurden die Haare hochgesteckt, damit sie den Kragen nicht störten. Fächer kommen auf, aber nicht im herkömmlichen Sinn, so gefältelte, sondern solche aus in Tierform aus ausgestopften Iltis, Marder- oder Wieselpelzen. Man trug diese über den Schultern. Man meinte, dass diese dann die Flöhe anzogen. Daran kann man erkenne, dass eine gewisse Reinlichkeitskultur, wie sie im Mittelalter herrschte, verschwunden war. Man wusch sich nicht mehr, sondern benutzte Puder, Schminke und Flohpelze.
Im Laufe des 16. Jahrhunderts gab es noch keine führende Nation, welche die Mode bestimmte. Der Einfluss Spaniens konnte sich jedoch immer mehr durchsetzen. In allen europäischen Ländern hatte die spanische Mode Fuss gefasst, wurde aber je nach Land ein wenig abgeändert. So trug man in Spanien hauptsächlich schwarz, was wiederum in Frankreich nicht akzeptiert wurde. Man trug zwar den strengen hochgeschlossenen Schnit, aber in bunten Farben.
In Deutschland und den Niederlanden war schwarz längst als Farbe der Reformation üblich geworden. Das 17. Jahrhundert Die erste Hälfte dieses Jahrhunderts wurde vom 30jährigen Krieg bestimmt, die zweite Hälfte hauptsächlich von der absolutistischen Regierung
Ludwigs XlV von Frankreich. Damals war Frankreich für ganz Europa kulturell, wirtschaftlich und politisch tonangebend. Ferner war das 17. Jhd. auch die Zeit des Kolonialismus.
Viele unserer heutigen Vorstellungen von zivilisiertem Benehmen sind damals entstanden. Deutschland war damals in viele kleine Länder zersplittert, während es in Frankreich eine zentrale macht gab. Französisch zu sprechen galt als vornehm.
Als Gegenbewegung zu diesem höfischen benehmen entstanden in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts die Salons. Hier wurden Kunst und Philosophie diskutiert. Man entwickelte in den Salons einen Rede- und Denkstil, der sehr stark von Frauen geprägt wurde. In der Salonkultur gewannen damit die Frauen einen geistigen Aufschwung, der den Männern ebenbürtig war.
Die Mode sollte zu dieser Zeit weiterhin dem Stand einer Person angemessen sein. Könige und Adelige machten ihre soziale Position durch prunkvolle Kleidung sichtbar. Aber langsam begann Mode sich zu verselbständigen. Man kleidetet sich zunehmend um der Lust am Neuen willenmodisch. Die einfacheren leute imitierten die Wohlhabenderen und diese mussten daher immer neue Moden erfinden, um sich vom einfachen Volk abzusetzen. Man begann sich auch für Mode als eigenständiges kulturelles Phänomen zu interessieren und sich historisch mit ihr zu befassen. Die Mode solle die Menchen schöner machen, hiess es. Ferner soll sie auch die Wirtschaft ankurbeln. Die französische Luxusindustrie nahm im 17. Jhd einen gewaltigen Aufschwung. Dies hatte auch mit der Wirtschaftspolitik im Lande zu tun: Merkantilismus!
Im 17. Jhd war also Frankreich die führende Nation in Modedingen, der spanische Einfluss blieb aber trotzdem an manchen Höfen wie Wien und Madrid noch lange erhalten.
Entwicklung der Herrenmode
Die Herrenmode löste sich zuerst vom spanischen Stil, die Damenmode etwas später. Die übermässig wattierten vesten der Herren verschwanden. Der Herr trug Ärmerlwams und Koller. Das Koller war zuerst ärmellos, erst um 1630 wurde es in einem Stück und mit Ärmeln hersgestellt. Hier hat der spätere Herrenrock seine Wurzeln. Die Kragen der Herrenkleidung waren hochgeschlossen und wurden im Lauf der Jahrzehnte sowohl in der Damen- wie in der Herrenmode immer grösser. Die Haare trugen die Herren nun iweder länger, oft sogar asymmetrisch. Erstmals kamen nun auch Perücken auf. Breite, weite Hüte kamen in Mode, oft mit einer Feder geschmückt. Die Hosenbeine wurden weiter. Die Heerpauke verschwand, Es traten längere, das Bein lose umspielende Beinklieder an dessen Stelle.
In der zweiten Hälfte des 17. Jhd. wurden die rhingraves der letzte Schrei: Hosen, die so weit waren, dass sie wie Röcke aussahen und auch so geschnitten waren. Auf Englisch hiessen sie: petticoat breeches. Dazu trug der Mann ein knappes Westchen, Seidenstrümpfe und Schuhe mit Absätzen.
DamenmodeIn der Frauenmode setzte sich für einige Zeit eine Zweiteilung durch: Ein bodenlanger Rock, dazu eine Jacke. Die Hüfte wurden gepolstert. Reifröcke waren im 16. Jhd. aus der Mode gekommen. Die Hüften wurden mit wergwülsten gepolstert, damit der Rock schön gerade zu Boden fiel, oder man trug einfach mehrere Unterröcke. Die Halskrause verschwand. Die Dekolletés wurden tiefer und viereckig.
Kinder sind genauso gekleidet wie Erwachsene. Das Mädchen trägt ein Kleid mit kegelförmigem Rock. Knaben trugen anfänglich dieselben Kleider wie die Mädchen. Das war damals so üblich, da sie in den jungen Jahren unter der Obhut von Kindermädchen und Ammen. Später wurden sie dann einem männlichen lehrer übergeben. Entsprechend änderte sich dann die Bekleidung. Der Knabe sah dann fast so aus wie Miniaturerwachsene. Kindheit galt im 17. Jhd. nioch nicht als Lebensphase mit eigenem Wert. Erst im späten 18. und dann im 19. Jhd., als man ein gewandeltes Bild von der Kindheit hatte, entstand eine richtige Kindermode.
Ludwig XlV
In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurde der französische Einfluss in der Mode überwältigend. Unter Ludwig XlV wird Mode gleichbedeutend mit "Französischer Mode". Die Männerkleidung wird schliochter in der Form. Das Justaucorps (Jacke), tailliert geschnitten, reichte bis zum Knie. Darunter trug der Mann Kniehosen, seidene Strümpfe und Schnallenschuhe mit relativ hohen Absätzen. Im 18. Jahrhundert kamen die Spitzen wieder sehr stark auf. Ärmel und Halsausschnitte waren stark mit Spitzen verziert. Armbänder und Ohrringe (die früher die Herren trugen) wurden unmodern. Statt der eigenen Haare trug der Herr eine Allongeperücke. Auf dieser Perücke trug man einen Hut: Dreispitz.
Wurde die Herrenmode schlichter, so wurde die Damenmode im Gegenzug aufwendiger. Damit wird eine Komplementarität der Moden eingeleitet. Dies hängt stark mit der sich wandelnden Vorstellung von Weiblichkeit und Männlichkeit zusammen. Bis ins 17. Jahrhundert waren die Menschen der Auffassung, dass beide Geschlechter gleiche Körper haben, nur dass sich die weiblichen Geschlechtsorgane nicht so weit entwickelt haben wie die männlichen. Frauen galten also als fehlerhafte, unvollständige Wesen gegenüber dem vollkommenen männlichen Menschen. Deshalb waren die Frauen auch in der gesellschaftlichen Rollenaufteilung unterlegen. Erst im Verlauf des 18. Jahrhunderts kommt dann die Vorstellung auf, dass Frauen und Männer völlig verschiedenen Wesen sind. Die Mode brachte diese Diskrepanz auch zum Ausdruck.
Die Kleider der Damen bestanden aus einem Oberkleid, dem manteau. Darunter war der Rock, oder Jupe. Die Kleider waren aus edlen Stoffen und reich verziert. Sehr elegant war es, wenn eine Dame ein Spitzentaschentuch in der Hand hielt. Dabei handelte es sich ausschliesslich um ein modisches Accessoire.
Dieser Stil hielt sich im grossen und ganzen einige Jahrzehnte lang. Bei den Männern wurde die Allongeperücke durch andere etwas leichtere Perücken ersetzt; aber ein Perücke "musste" sein!. Ferner trugen die Herren zum Anzug einen Degen, der auch zum Duellieren benutzt wurde. Die Schösse von Weste und Justaucorps wurden versteift, so dass sie, wie die Frauenröcke, abstanden. Der Mann trug Kniehosen mit Strümpfen.
Der Reifrock feierte neue Triumphe. Die Röcke wurden kürzer. Die Damen zeigten Fuss. Sie trug an ihren Füssen reich verzierte und bestickte Schühchen, die mehr eine repräsentative Funktion hatten. Einfache Frauen trugen Holzschuhe, in denen sie laufen und arbeiten konnten.
Am Hof kamen später noch ovale Reifröcke auf. Sie waren vorn und hinten abgeflacht und so breit, dass die Dame nicht mehr geradeaus durch eine Tür gehen konnte.
An dieser Stelle wird einmal mehr gezeigt, dass Mode mit wirklichen Körpern nichts zu tun hat, sondern eigene Silhouetten und Körperbilder schafft. Im 17. und 18. Jhd. machte sie die Menschen zu lebenden Kunstwerken. Dies entsprach auch der Gesellschaft: Sie hatten zu repräsentieren. Man muss sich klarmachen, dass diese teuren, prunkvollen Kleider die Damen und Herren am Hof trugen. Es war die Aristorkratie, die in der Zeit von Ludwig XlV. ihren verlorenen politischen Einfluss mit diesem Prunk kompensieren musste. Das aufstrebende Bürgertum wollte dies den Aristorkraten modisch gleichtun. Es kam häufig vor, dass verarmte Adelige mit reichen Bürgern verheiratet wurden. Damit füüllte sich die Kasse der Adeligen und gleichzeitig erhielt der Bürger einen Adelstitel. Adelige arbeiteten nicht. Ihr Lebensstil war teuer. Ihr Leben war öffentlich. Daher wurde Mode imemr wichtiger, denn nur diese konnte sichtbar machen, was jemand war bzw. sein wollte.
Im 18. Jhd. hiess es: Schminke statt Wasser und Seife! Man wusch sich nicht, sondern überschminkte den Schmutz und übertönte den Gestank mit Duftwässerchen. Die Schminke war weiss und zudem sehr ungesund. Dazu kam ein möglichst künstlich aussehendes Rouge. Die Haare wurden gepudert. Die Frisuren waren dermassen kompliziert, dass man sie nicht jeden Morgen neu machen konnte. An das Haarewaschen war da kaum zu denken. Die Frisuren wurden einfach jeden Morgen von der Dienerschaft "überarbeitet". Das Ungeziefer hatte somit seinen Nährboden, aber dagegen besass man ja die elfenbeinernen kleinen Kratzer. Die Jahrzehnte vor der Revolution
In den 1780er Jahren wurden die Frisuren noch komplizierter und grösser, zudem trug man wieder Hut. Die Röcke wurden dafür etwas dezenter. Die Jäckchen (calico) wurden bei der Dame beliebt. Sie waren meist eng tailliert. Insgesamt wirkte die Mode etwas strenger oder anders gesagt "männlicher".
In der Herrenmode blieb das Grundprinzip gleich: Kniehose, Weste und Justaucorps. Die Kniehose wurde zeitweise so eng, dass man sich darin nicht setzen konnte. Modejournale In den 1770er Jahren enstanden die ersten Modejournale. Zuvor gab es nur die Modepuppen. In England erschien seit 1770 das "Lady's Magazine", in Frankreich die "Gallerie des Modes" und das "Magasin des Modes". Mode und Lifestyle
Diese Journale enthielten, was wir heute als Lifestyle bezeichnen. Es ging um Alltagsdesign, neue Bücher, Theater und Lebensart. Im Zentrum stand aber die aktuelle Modeberichterstattung. Wer macht die Kleider? Die wohlhabenden Damen und Herren liessen ihre Kleider von professionellen Schneidern anfertigen. Dabei konnten sie viel Phantasie einbringen. Madame de Pmpadour war eine sehr kreative Frau in dieser Zeit. Rose Bertin war eine Modemacherin, deren Name heute noch bekannt ist. Modeschöpfer werden in den folgenden Jahrzehnten zu Künstlern. Die Mode hat eine Art Doppelfunktion bekommen: Sie hat eine wirtschaftliche und eine ästhetische Seite. Sie ist Konsum- und Kulturgut zugleich. Das Pfänomen der Mode wird hier auf folgenden Punkt gebracht: Ihr Wesen ist der ewige Wechsel! Mode ist für den Menschen des 18. Jhd. ein Zeichen eines verfeinerten Geschmackes und entwickelten Kultur.
Die Französische Revolution veränderte die soziale ordnung und mit ihr die Mode in Europa grundlegend. Einerseits gab viele Demokratien und andererseits wurde proklamiert: Zurück zur Natur! Das Schlichte, Einfache und Ungekünstelte wurde propagiert. Die Herrenmode insbesondere wurde schlicht und in dieser Art zur Norm gemacht. Damenmode
Bei der Damenmode herrschte die Farbe weiss vor. Dabei waren die Kleider aus der Antike Vorbild. Bedruckte Baumwolle wurde zu sogenannten Hemdkliedern verarbeitet. Die Frau trug kein Korsett mehr. Die Hemdklieder flossen dem Körper entlang.
Um die Jahrhundertwende trug man wieder mehr Farben. Bevorzugt waren Himmelblau, Rosenrot und sogar Schwarz . Die Ausschnitte wurden tiefer. Die dünnen Stofe der Damenkleider liessen es nicht mehr zu, Taschen anzubringen. Also kamen die Handtäschchen auf. Die Schuhe waren klein, zierlich, spitz und flach oder hatten gar keine Absätze. Modisch waren die Spencer, kurze enge Jäckchen. Gürtel waren wichtig: Die Art, wie man sie umband, änderte ständig. Das jeweils zu beherrschen, machte die modische Kompetenz der Dame aus. Statt eines Mantels trug die Dame vorzugsweise einen Kaschmirschal.
Als Kopfbedeckung kamen auf unterschiedlichste Weise gewundene Turbane auf. Viele Damen trugen um die Jahrhundertwende eine Art Jockey-Hut, eine Art Helm mit einer Krempe, unseren heutigen Baseballkappen entfernt ähnlich. Die Haare wurden nicht mehr so aufwändig hergerichtet wie vor der Revolution, sondern einfach mit den Händen zerzaust. Das eigene Haar war jedoch nicht sehr modisch, man trug hauptsächlich Perücken. Diese wechselte man manchmal im Tag ein paarmal.
Herrenmode1802: Viele junge Mannspersonen tragen lederne Beinkleider und Stiefel mit gelben Umschlägen. Auf den Schuhen findet man goldene schnallen. Die in runden Falten gelegten Jabots sind noch immer im Gebrauche. Die Herrenmode ähnelte in etlichen Zügen der Damenmode. Man verwendete einfache einfarbige Stoffe. Die Taillen waren hochgerutsch und gleich wie bei der Damenmode, war der Eindruck der Nacktheit auch beim Herrn, indem die hautengen Pantalons bis zur Taille zu sehen waren, da die Westen ganz kurz und der Rock vorn vollständig ausgeschnitten war. Auch Herren trugen Spencer.
Das Biedermeier kündigt sich an
Um die Jahrhundertwende
Im Laufe der kommenden Jahre wurden die Röcke imemr weiter und länger. Die Ärmel bekamen geradezu monumentale Ausmasse. Breite Schultern waren nicht modisch. Eine Dame sollte zart aussehen. Zusammen mit vielen Unterröcken und Rosshaarpolsterung hatten die Damen eine sogenannte "Eieruhr Silhouette. Man trug wieder sein eigenes Haar. Der Damenhutder Zeit ist der Kapotthut. Die Hüte waren teils reich mit Blumen und allerei anderem Tand garniert.
Bürgerliche Werte
Die Mode hatte nun im Vergleich zum vorderen Jahrhundert, andere gesellschaftliche Funktionen. Sie war nun kein aristokratisches Phänomen mehr, sondern fast ausschliesslich verbürgerlicht. Mode galt von nun an als reine Frauensache, während Männer dafür keinen Sinn zu haben schienen. Sie beschäftigten sich mit dem Ernst des Lebens, wogegen Frauen ihr Leben mit Oberflächlichkeiten wie Mode vertändelten. Diese Auffassung rührte von der sich veränderten Gesellschaftsform her. Die Aristokratie ist am Boden. Es dominierte das Bürgertum mit seinen neuen Werten: Fleiss, Wohlstand, sozialer Aufstieg und Bildung.



